10 November 2009

 

Bald Jubiläum

Wenn ich's mir richtig überlege, gibt es meine Radiosendung jetzt schon bald 15 Jahre. Das genaue Jubiläum wird sich mangels eigener Hirnleistung wohl nie genau ermitteln lassen.

Im Juni 1995 ging Querfunk auf Sendung, seit damals gibt es die Radiosendung so richtig regelmäßig. Aber dass ich ENPUNKT-Radio machen wollte und wie das alles heißen sollte, muss sich irgendwann mal Ende 1994 herauskristallisiert haben. Wahrscheinlich bei einem der vielen Plena im »Felshof« oder im »Tempel«.

Die erste Radiosendung wurde in einem Raum aufgenommen, der nicht viel größer war als die Kabine im öffentlichen WC. Ausgestrahlt wurde sie dann ausschließlich in den Räumen des Gewerbehofs, konnte also von maximal 25 Leuten gehört werden. Trotzdem gab es hinterher Kritik und Lob – das fand ich stark.

Dass es aber superschwer war, so eine Sendung journalistisch sauber zu machen und dabei abwechslungsreich zu bleiben, merkte ich früh genug. Aus diesem Grund verzichtete ich früh auf ernsthafte Polit-Sendungen und spielte lieber meinen Musik-Kram. Das war letztlich doch einfacher ...

09 November 2009

 

Twitter und Co.

Der Mann ist mit persönlich bekannt als jemand, der im weitesten Sinne mit Computern zu tun hat. Täglich sitzt er vor seinem PC, und er ist in dem Unternehmen, für das er arbeitet, unter anderem für die Verwaltung von Homepages und so verantwortlich.

Irgendwann kamen wir aufs Thema Twitter. Ich erzählte nicht, dass ich einen eigenen Twitter-Account habe, auf dem ich aber nicht sooo viel schreibe, sondern berichtete von den PERRY RHODAN-Aktivitäten unter anderem bei Twitter.

Das fand er sehr interessant. Und dann fragte er: »Bei Twitter kriege ich dann immer, wenn da jemand was schreibt, eine SMS aufs Handy, oder?«

So kam ich in den Genuss, jemandem in Kurzform zu erläutern, was Twitter ist und was man damit mehr oder weniger sinnvolles machen kann. (Nach dem wirklichen Sinn suche ich auch noch; es kann allerdings durchaus unterhaltsam sein.) Ich kam mir vor wie ein Teenager, der einem Erwachsenen die neuesten technischen Wunderdinge vor Augen hält ...

08 November 2009

 

Don Carlos und ich

Es war ein zugleich faszinierendes wie verstörendes Bild: Rechts und links der Bühne zeigten die Leinwände riesige Schwarzweiß-Bilder mit den Konterfeis berühmter Diktatoren des zwanzigsten Jahrhunderts; auf der Bühne strahlte ein gigantisches Kreuz, hinter dem ebenfalls mal Stalin, mal Hitler, mal Khomeini, mal Mao, mal Pinochet und so weiter zu sehen waren. Und auf der kargen Bühne tanzten verkleidete Menschen mit den Masken der Diktatoren einen Reigen, während auf Monitoren eine Explosion nach der anderen, eine marschierende Armee oder sterbende Menschen zu sehen waren.

Ich war in der Oper. Genauer gesagt: im Karlsruher Opernhaus. Es wurde »Don Carlos« gegeben, die Verdi-Oper, die nach dem gleichnamigen Theaterstück von Schiller entstanden ist. Und ich fand's saugut.

Manchmal ging mir das Gesinge ein wenig auf die Nerven; die beeindruckende Inszenierung mit modernen Einsprengseln, mit einer absolut karten Bühne und teilweise sehr statisch funktionierenden Figuren fand ich aber absolut stark. Das war kein leichtfüßiges Musical (und natürlich kein hektisch-dynamisches Punk-Konzert), sondern das war anspruchsvolle Kunst.

Opern-Fan werde ich sicher nicht werden. Aber die »Don Carlos«-Inszenierung im Opernhaus wird mir sicher noch lange im Gedächtnis bleiben.

07 November 2009

 

Helles Bier in Belgien

Reise-Erinnerung ans Jahr 2005

Der Wind pfiff vom Meer her, als wir durch De Haan spazierten. Die kleine belgische Stadt, nicht viel mehr als ein Dorf mit einigen Hotels, vielen kleinen Häusern und einigen Pensionen – in einer davon hatten wir uns einquartiert – machte im September 2005 keinen besonders gemütlichen Eindruck. Auch wenn noch nicht die Jahreszeit dafür war, hatte ich doch das Gefühl, der Herbst wollte bald in einen eisig-kalten Winter übergehen.

Wir hatten Hunger und Durst, und irgendwie konnten wir uns nicht so recht entscheiden. Überall gab es Restaurants, die frische Muscheln anboten, überall saßen Touristen, und in manchen Restaurants schreckten die Preise ab. Wir entschieden uns nach einigem Hin und Her dann doch für die »Brasserie Carnac«, ohne dass ich heute noch sagen könnte, welchen Grund es dafür gab.

Der Raum war zugig: Ich saß mit dem Rücken zu einer Fensterfront, durch die unaufhörlich die Kälte hereindrang. Das ganze hatte einen durchaus rustikalen Charme, nicht übermäßig schick, aber nett, kein feines Lokal, sondern im Prinzip ein etwas gehobener Imbiss. Und damit es passte, trank ich rasch hintereinander ein Jupiler und ein Leffe, zwei blonde Biere also.

Wir bekamen ein anständiges Essen hingestellt; sowohl der Fisch als auch das vegetarische Essen schmeckten. Die Musik war dezent, die lärmenden Touristen am Nachbarisch gehörten zur Folklore dazu. Es war weiß Gott kein Lokal, das in irgendeinem seriösen Reiseführer einen prominenten Platz verdient hätte – aber wir waren zufrieden und gesättigt, und als ich leicht torkelnd hinaus ins Freie trat, die Nase wieder in den Wind haltend, wurde mir erst wieder bewusst, wie warm es trotz Zugluft gewesen war.

Belgien im September 2005, das war eine sehr schöne Reise, und De Haan sowie die Brasserie Carnac passten gut dazu.

06 November 2009

 

Chaostage jetzt auch als Soundtrack

Den »Chaostage«-Film habe ich noch nicht gesehen, was mir nur wenig peinlich ist: Immerhin muß ich nur die Augen zumachen, um die Szenen von früher in Erinnerung zu rufen, ob das nun Hannover oder Bremen oder Düsseldorf oder sonst wo ist. Die Chaostage sind zumindest für mich Vergangenheit.

Jetzt habe ich aber den Soundtrack des Filmes zum Besprechen erhalten, was dann schon ein bißchen seltsam ist. Bands wie Steakknife oder Kassierer, Molotow Soda, Slime oder Toxoplasma sorgen für klare Akzente und machen den Soundtrack eigentlich schon zu etwas gutem.

Die Zusammenstellung mutet trotzdem seltsam an, denn dazwischen ist halt auch viel Kram, den man nicht braucht. Ich bin ehrlich: Die CD braucht man nur als beinharter Fan des Films, sonst garantiert nicht. Ansonsten gibt's weitaus bessere Gelegenheiten, sich knalligen Deutschpunk auf Platte zusammenzutun.

05 November 2009

 

Autorentreffen und Erinnerungen

In meiner Rubrik »Der Redakteur erinnert sich«, die eine Art Vergangenheitsbewältigung auf Egotrip-Ebene darstellt, habe ich auf der PERRY RHODAN-Homepage jetzt dreimal über den März 1998 berichtet. Die ersten zwei Texte erschienen im August 2009, der letzte Text erst im November 2009 – zwischendurch verließ mich die Freude an diesem Thema ...

Dabei hatten die beiden Autoren Ernst Vlcek und Robert Feldhoff sowie ich bei unseren Besprechungen immer viel Spaß. Klar ging es um die Arbeit, aber das war eben nicht alles. Und darüber schrieb ich zuletzt eben dreimal.

Unter der Überschrift »Eine Zeitschleuse und ein neuer Mutant« ging es um die Exposé-Besprechung in Karlsruhe; am 8. März 1998 saßen wir unter anderem in der Bar des Hotels »Ambassador« und im »Krokodil« und dachten uns beispielsweise seltsame Mutanten aus.

Unter dem Titel »Wie Mondra und Perry zusammenkamen« ging es weiter; wir dachten uns eine Liebesbeziehung für den Terraner aus und machten uns Gedanken über Außerirdische, die Wasserstoff einatmen. Hübsches Thema.

Es schloß sich eine Autorenkonferenz an, die wir in einem Hotel in Ettlingen veranstalteten. Davon leitet sich dann der Titel des Textes ab: »Konferenz am ›Runden Plom‹« klingt gut und stimmt. Dabei ging's unter anderem um Sonnenwürmber und Buckyball-Systeme.

04 November 2009

 

Influenza-Fanzine


Die Zeiten, in denen ich haufenweise Punkrock-Fanzines gelesen habe, sind lange vorbei. Im ZAP hatte ich sogar eine eigene Fanzine-Rubrik. Irgendwie schrumpfte in den letzten Jahren die Zeit zusammen, und das ist echt frustrierend.

Dabei gibt es immer wieder gute Hefte, so zuletzt das Fanzine Influenza, von dem mir die Nummer 3 vorliegt. Mit dem wunderbaren Logo von »Punx and Dogs United« und der gelungenen Unterzeile »Von Hundetrainern für Hundetrainer« gibt's gleich einen satirischen Seitenhieb auf die Köter-Manie in manchen Teilen der Szene.

Ansonsten ist das Heft eine gute Mischung aus persönlichen Betrachtungen (über die Szene an sich und die Gema, aber auch über alte Männer, die über Punk schreiben) und Konzertberichten (man fährt nach Flensburg und Kiel, besucht das Ruhrpott-Rodeo oder ein Konzert in Aachen), das alles im klassischen Schnipsel-Layout. Kein Computer-Schnickschnack, keine Pseudo-Professionalität.

Beeindruckend wie eh und je sind die seitenlangen, ohne Absatz auskommenden und dennoch unterhaltsam zu lesenden Texte von Mikro, der sein Fanzine Entkettet vor Jahren zwar eingestellt hat, es jetzt aber in Form eigener Beiträge im Influenza weiterführt. Er plaudert über Punks und Crusties, über Bands und Personen, über Politik und Alkohol - und vor allem über Griechenland, wo er sich in den letzten Jahren ein paarmal rumgetrieben hat.

Natürlich gibt es Fanzine-Besprechungen, meist recht kritisch; Band-Interviews und so Kram habe ich nicht gefunden. Insgesamt eine gut lesbare Mischung voller »Punk-Spirit«. Das Heft hat 60 Seiten Umfang, kommt im A5-Format und kostet 1,50 Euro. Man kriegt es bei diversen Versänden, etwa dem Plastic Bomb, aber auch direkt bei der Herausgeberin - die Adresse steht im Kommentarbereich.

03 November 2009

 

Lese-Onkel und Disco-Star

Ich arbeite in Rastatt, und eigentlich kenne ich außer dem Verlag, dem Bahnhof, der Apotheke und zwei, drei Kneipen nicht so viel. Eine Ausnahme: das famose Jugendzentrum «Art Canrobert«, das ich sehr mag, wenngleich ich doch nicht so oft dort bin. Aber die aktiven Leute, die dort Konzerte organisieren und haufenweise Zeugs auf die Beine stellen, finde ich ebenso sympathisch wie ihren Laden.

Am Freitag, 4. Dezember 2009, und Samstag, 5. Dezember 2009, gibt es dort das diesjährige Twisted Chords Festival, an dem haufenweise Bands auftreten werden. Schönes Zitat aus dem Info: Das Karlsruher Label Twisted Chords kehrt nach dem letztjährigen Frankfurt-Ausflug mit seinem Festival zurück in die Heimat und veranstaltet in Rastatt ein zweitägiges Festival mit einem Querschnitt durch das komplette musikalische Programm des Labels.

Mit dabei: meine Nase. Der Freitag gehört dem Punkrock und dem Hardcore, da wird der Sound sicher wuchtig und heftig sein. Am Samstag gibt's HipHop und Ska - und mich. Ich lese aus meinen Büchern (keine Ahnung, welches Thema), und nachts lege ich noch irgendwelche Musik aus. Und weil es so schön klingt, zitiere ich völlig stolz aus dem Info des Labels:

»Die Allzweckwaffe: vor dem Konzert Lesung aus seinen Erfolgsromanen, dem ENPUNKT-Fanzine und weitere Veröffentlichungen aus 25 Jahren Punkrock, hinterher an den Plattentellern mit allerlei tanzbaren 80er und 90er Pop-und Disco-Hits.« Ich freu' mich schon jetzt.

02 November 2009

 

Tanzende Mädels und dicke Burgers

Ich war noch nicht im »Hooters« in Karlsruhe, und ich werde das sicher so schnell nicht tun. Mir reichen schon die Bilder auf der Homepage des sogenannten Restaurants, und ich weiß, daß ich da fehl am Platz wäre. Wobei da sicher auch nette Leute hingehen; ich frage mich dennoch nach der eigentlichen Motivation: Will man da sehen, wie sich manche junge Frauen öffentlich blamieren, oder will man denen auf knappe Oberteile und noch knappere Höschen schauen?

Hin wie her - es gibt ja glücklicherweise Menschen, die sich für mich opfern. Im »gelb-rot-gelb«-Blog ist ein sehr schöner Bericht dazu zu finden. Lohnt sich!

 

Spanien als Schwerpunkt

Wieder mal hatte ich eine Radiosendung, in der ich mit hoher Wahrscheinlichkeit vor allem durch miese Sprachkenntnisse glänzte: Ich spielte am Sonntag abend, 1. November 2009, allerlei Musik aus Spanien, und spanisch hatte ich zwar mal in der Schule, aber das ist mehr als ein Vierteljahrhundert hert. Nun denn ...

Immerhin war die Sendung musikalisch sehr gut, finde ich: Skapunk von den Locos oder Skalariak und Streetpunk von Skarmento, dazu IndieRock von The Unfinished Sympathy. Klassischen Punkrock lieferten dann noch Extension 333.

Wo ich eine Band wie Insomnio einordnen soll, weiß ich eh nicht; irgendwie zwischen IndieRock und Punk. Egal, Hauptsache, die Gitarre rockt gut.

Für die Geschichtsstunde spielte ich Ultimo Resorte, eine der ersten spanischen Punk-Bands ausm Jahr 1981, die Decibelios, die wohl beste spanische Oi!-Band der 80er Jahre, und als knalligen Abschluss noch die Subterranean Kids aus Barcelona, die mich 1988 ziemlich begeisterten.

01 November 2009

 

Doom und Hardcore und verrückte Affen

Neblig und kalt war's, als ich mit dem Rad losfuhr; Samstag abend, 31. Oktober 2009, und haufenweise Halloween-Deppen unterwegs. Zuerst über die Brücke über die Bahn, dann durch die stockfinstere Grünanlage (ich sah keine zwei Meter weit), dann über die endlos erscheinende Fußgängerbrücke, die die vierspurige Bundesstraße überquert, und ich stand im Hof des »Crazy Kong«.

Ich halte das »Crazy Kong« für eine sehr gute Einrichtung; daß ich dort eher selten aufschlage, liegt an der merkwürdigen Art und Weise der Veranstalter, für ihre Konzerte so gut wie keine Werbung zu machen. Vom Samstag-Konzert hatte ich auch nur von den Bands erfahren. Kein Wunder, daß sich im schönen Konzertraum, der locker 150 bis 200 Leute fassen dürfte, gerade mal fünfzig Besucher aufhielten.

Nach einiger Wartezeit, die mit viel Gerede und dem einen oder anderen Bier verbracht wurde, spielten auch schon Bone Idles, die aktuelle Hardcore-Hoffnung aus Karlsruhe: mittelschneller und ziemlich geil gespielter Hardcore-Punk in der Tradition der späten 80er Jahre, kein Metal und kein Emo. Am Gesang Gunnar, der in den 80er und frühen 90er Jahren mit Kafka Proses und So Much Hate schon Maßstäbe für knalligen Sound und großartige Konzerte gesetzt hatte.

Es war das zweite Konzert der Band, das Repertoire ist noch nicht so groß - aber ich war sehr davon angetan. Saugut! Das Publikum johlte und applaudierte eifrig, und nach einem viel zu kurzen Auftritt war's schon wieder rum.

Danach Tomen, die ihren Sound als »Doom« bezeichnen. So klang es auch: schleppender, langsamer Sound, tief und düster gespielt, mit einem Sänger, der ein bißchen zu brav klang. In den besten Momenten klang die Band fast wie Gore (auch so eine Band aus den 80er Jahren), aber recht schnell wurde es mir zu langweilig.

Man kann an einem Samstag abend ja auch nicht alles haben. (Und im Nachhinein war ich eh froh, daß ich mit dem Rad wieder gut nach Hause kam ...)

31 Oktober 2009

 

Immerhin schmutzige Finger

Als wir den Film hinter uns hatten und im Freien standen, drückte sich jeder - so hatte ich den Eindruck - um eine klare Beurteilung. »Ganz scheiße war er nicht«, sagte dann jemand in der Runde. Kein schlechtes Fazit für »Die Päpstin«, den ich mir dieser Tage anschaute.

Immerhin hatte der Historienstreifen ein gewisses Star-Aufgebot: Johanna Wokalek (die ich ja sau-hübsch finde) spielte das aus der Pfalz stammende Mädchen Johanna, das sich als Johannes aus dem Elend der Frauen im frühen Mittelalter dadurch befreien kann, daß es bis nach Rom und dort irgendwann auf den Thron des Papstes kommt. Das ganze ist höchst dramatisch bebildert, es gibt Gemetzel und eine Vergewaltigung, viel christliches Gerede und eine lange Liebesgeschichte.

Das ganze läuft dann doch recht spannungsarm ab. Auch wer - wie ich - das Buch nie gelesen hat, kann sich in etwa vorstellen, was passieren wird. Von daher gibt es keine ungewöhnlichen Wendungen, sondern höchstens so Fragen wie »was passiert mit Johanna, wenn die Wikinger angreifen?« und dergleichen. Unterm Strich ist das nicht sehr befriedigend.

Dafür ist der Film schön bebildert; vieles ist unterm Strich recht glaubhaft. Am besten fand ich, daß die Helden vor allem am Anfang ständig schmutzig sind. Auch Frau Wokalek als die Heldin hat dreckige Fingernägel und ein verschmiertes Gesicht; so viel Realitätsnähe sieht man normalerweise weder in Historien- noch in Fantasy-Streifen.

Unterm Strich ein Streifen, den man im Fernsehen sicher nicht mit Genuß gucken kann: Da fällt die Langeweile zu sehr ins Gewicht. Im Kino machen die großen Bilder teilweise richtig Eindruck, und das hielt mich gut bei der Stange. Ich unterhielt mich also gut, und das ist für so einen Mittwoch abend nicht das dümmste.

30 Oktober 2009

 

Power und Energie

Als ich am Donnerstag, 29. Oktober 2009, in die »Alte Hackerei« kam, hatte ich bereits die erste Band verpasst: Biestig, die Lokalmatadorinnen aus Karlsruhe, die ich unlängst ja erst in diesem Blog abgefeiert habe. Nun denn, also verbrachte ich viel Zeit damit, alte Bekannte zu begrüßen, die an diesem Abend sogar aus Stuttgart und anderen auswärtigen Regionen angereist waren.

La Fraction sollten spielen, und die Sängerin entschuldigte sich gleich zu Beginn des Konzerts dafür, daß sie keinen Ton rausbringe. Deshalb würde es nur ein kurzes Konzert werden. Wie ich hinterher erfuhr, gab es einen profanen Grund für den Stimmausfall: Das Konzert am Vorabend in Zürich war bis in die frühen Morgenstunden nachgefeiert worden ...

Keine Gehässigkeit an dieser Stelle; die Band war klasse. Ich hatte sie in früheren Jahren in Stuttgart im Fasanenhof und in Karlsruhe in der Ex-Steffi gesehen, und jedesmal hatten sie mich begeistert. Auch in Karlsruhe rockten die zwei Frauen und zwei Männer, daß mir vor Freude der Mund offenstehen blieb.

Wobei man fairerweise sagen muß, daß die Band ohne die Sängerin sicher gut wäre, aber eben nicht so durchschlagend. Ein T-Shirt mit der Aufschrift »Kill«, eine schwarze Jeans und schwarze Stiefel, dazu diese hammerharte Stimme, die »richtig singen« kann - das war einfach klasse.

Und sie schaffte es tatsächlich, gut eine Dreiviertelstunde lang durchzuhalten und ein Stück nach dem anderen in das frenetisch jubelnde Volk zu pfeffern. Danach stand ich noch ewig lang herum, laberte mit den zahlreichen Bekannten und trank ein bißchen Bier. Wunderbarer Konzertabend!

Wer übrigens mal reinhören will, was die Band so macht, dem empfehle die Seite des deutschen Labels, wo La Fraction rauskommt, und dort das coole Stück »tu le sais«.

29 Oktober 2009

 

Badische Geschichten

Ich tu' mich ein wenig schwer damit, eine Anthologie vorzustellen oder zu besprechen, an der ich beteiligt bin und war. Ich meine damit »Phantastischer Oberrhein«, eine Geschichtensammlung, die Jörg Weigand zusammengestellt hat und in der ich mit einer Story vertreten bin. Darüber schrieb ich schon mal, jetzt habe ich das Buch endlich gelesen.

Das Problem ist nämlich: Manche Texte gefallen mir gut, manche weniger, und allen hätte eine gründliche Überarbeitung gut getan. Das geht leider los bei vermeidbaren Rechtschreib- und Grammatikfehlern und endet nicht bei mancherlei nicht geglückten Story-Entwicklungen.

Dabei ist die Idee der Anthologie eine gute: Man nehme Autoren aus der Region und lasse sie Geschichten mit phantastischem Inhalt erzählen – was dabei herauskommt, veröffentlicht man in einem Verlag, in diesem Fall bei Schillinger in Freiburg. Das Hardcover ist dann 186 Seiten stark und sieht echt gut aus.

Mit Manfred Borchard und Helmut Ehls sind Autoren vertreten, die in den späten 70er Jahren das Freiburger Fanzine PHALANX herausgeben, mit Frank Borsch und mir sind Leute drin, die mittlerweile eher auf das PERRY RHODAN-Umfeld bezogen werden, und dazu kommen Karla und Jörg Weigand oder die schon in den 80er Jahren aktiven Fans Rainer Schorm und Markus Kastenholz.

Das ist echt eine gelungene Mischung, bei der ich nur schade finde, daß sie nicht hundertprozentig zündet. Eine Kaufempfehlung spreche ich natürlich dennoch aus, weil ich Anthologien mit deutschsprachigen Autoren generell unterstützenswert finde und das Buch unterm Strich ja einen guten Eindruck hinterläßt.

28 Oktober 2009

 

Fotografien gesammelt und präsentiert

Ich kenne die Kollegin vom Radio her: Immer wenn ich meine Punkrock-Sendung im freien Radio Querfunk in Karlsruhe mache, kommt hinterher der »Jazz zur Nacht«. Verantwortlich dafür ist Katharina Lohmann, die mit einer ziemlich frechen Schnauze die Musik so präsentiert, daß ich schon oftmals aus purem Interesse wegen der Moderation stehenblieb und einen Teil ihrer Sendung anhörte.

Seitdem weiß ich, daß Jazz nicht nur was für alternde Männer mit Halbglatze, Tweed-Jacke und schlechtem Bart ist.

Daß die Kollegin auch fotografiert, hat sie mir zwar irgendwann mal gesagt. Aber wie das in solchen Fällen so ist: Ich habe die Information vergessen. Das kleine Hirn kann nicht alles fassen.

Dafür gibt es ja jetzt Internet: Ich habe den Link zu ihrer Homepage erhalten, und die will ich hier empfehlen. Die Leser dieses Blogs sind sicher nicht unbedingt die Zielgruppe – aber die Frau kann saugut fotografieren, und das zeigt ihre Homepage sehr schön.

Natürlich gibt es klassische Fotos von Jazz-Musikern zu sehen, das bietet sich ja an; alles in schönem Schwarzweiß. Dazu kommen aber Gesichter, Körper und Körperteile (inklusive Schwänzen, also nix für moralisch verschüchterte Menschen), diverse Szenen (quasi ausm Leben gegriffen) und rein künstlerische Aufnahmen. Es macht Spaß, sich durch die Seite zu klicken – eine respektable Zusammenstellung!

27 Oktober 2009

 

Biestig als Punkrock-Hoffnung


Ich weiß nicht, wie oft ich in den letzten zwei Jahren die Band Biestig aus Karlsruhe gesehen habe. Meist spielten die zwei Mädchen (angesichts des Alters ist der Begriff noch völlig angemessen) als Vorgruppe vor Bands wie Bambix – und errangen dabei längst mehr als nur Achtungserfolge.

Jetzt gibt's mit »Nebenan« den ersten offiziellen Tonträger (das Demo, das 2008 rauskam, habe ich irgendwie zu kaufen vergessen), für den Rookie Records verantwortlich ist. Die LP habe ich noch nicht in den Händen gehalten, werde ich mir aber noch kaufen; die CD sieht aber schon mal gut aus. Und sie steckt seit Wochen im CD-Fach meines Büro-Computers und läuft hier ziemlich oft. Weil sie einfach gut ist.

Musikalisch ist es schon Punkrock, wenngleich auf Schlagzeug und Gitarre sowie Gesang »beschränkt«; ich vermisse bei den Stücken aber keinen Bass oder irgendwie aufgemotztes Zeug. Die Melodien stimmen, es ist stets ein Stück »Rotzigkeit« enthalten, auch in den Stücken, in denen es poppig zugeht, die eher »plänkeln« und nicht unbedingt heftig losrocken. Manchmal drängt sich bei mir glatt ein Vergleich zu Hans-A-Plast auf; wobei Biestig-Sängerin Jule die bessere Stimme hat.

Inhaltlich spielen Teenagerthemen und Liebesleid eine große Rolle; bei »I Hate You« wird sogar gebrüllt. Texte wie »Null Bock« oder »Warum sich erst verstehen« greifen aktuelle persönliche Themen auf, während auf politische Inhalte oder irgendwelche Parolen verzichtet wird.

Insgesamt eine überdurchschnittliche Platte, die ich mit Lob überschütten kann, ohne eine Sekunde lang irritiert zu sein. Rundum sympathisch und gelungen.

26 Oktober 2009

 

Trommeln in der Scheune

Unter der Band Palitos konnte ich mir nicht viel vorstellen; ich kannte nur einen der vier Bandmitglieder, und so entschlossen wir uns, auf »Rhythmen aus Brasilien, Lateinamerika und Westafrika« einzulassen. Das ganze fand in Ettlingen statt, in einer örtlichkeit, die sich »Kultur in der Scheune« nannte und zum Diakonischen Werk gehörte.

Ich fand das Publikum ein wenig langweilig: ein paar Dutzend Leute, die an Tischen saßen und die sehr brav aussahen. Dafür war die Band umso besser: eine Frau und drei Männer in weißen Anzügen, die hinter einer Unzahl von Trommeln und anderen Schlaginstrumenten standen.

Und dann taten sie das, was im Programm angekündigt war: Sie trommelten Rhythmen aus Afrika und Lateinamerika, was jetzt vielleicht nicht besonders ausgefallen klingt, live aber echt Spaß machte. Abwechslungsreich war's, schnell zeitweise, und originelle Instrumente gab's zuhauf zu bewundern.

Dazu kam die Moderation – oder wie immer ich das nennen soll – der coolen Frau in der Band, die in teilweise breitem Schwäbisch die einzelnen Stücke erklärte. Ich hatte vorher nicht gewußt, wie abwechslungsreich das Trommeln sein kann.

Alles in allem ein Kultur-Abend, und zwar einer, der richtig Spaß machte. Das muß ich nicht oft haben, aber ab und zu empfinde ich das als echte Bereicherung.

25 Oktober 2009

 

Bierbeben und Schnapsgespritze

Eigentlich wollte ich am Freitag, 23. Oktober 2009, mal wieder nach Mannheim fahren; dort stand ein Punk-Konzert mit mehreren Bands auf dem Programm, und es hätte mich inhaltlich gereizt. Aber irgendwie übermannte mich an diesem Abend nach einer anstrengenden Arbeitswoche die Faulheit, und bis ich mich endlich aufraffte, war es für Mannheim zu spät.

Ich radelte in die Oststadt, mal wieder in die »Alte Hackerei«. Dort stand Elektropunk mit Bands wie Bierbeben auf dem Programm. Das zeigte sich prompt auch daran, daß das Publikum weitaus jünger wirkte als sonst: Viele Leute um die zwanzig waren da – fand ich gut.

Von den Bands bekam ich nicht so viel mit: Ich strandete mit Bier im Vorraum, wo ich an der kleinen Theke stand, weiter Bier trank und viel redete. Elektro-Gewummer und schräges Gesinge hörte ich, zuordnen konnte ich nicht viel.

Später bollerte abwechslungsreiche Musik aus den Boxen: Wave der 80er Jahre, Deutschpunk, Hardcore, ein bisschen Metal und viel Punkrock. Es wurde tatsächlich getanzt, ich trank weiter Bier, und irgendwann wurde Schnaps spendiert.

Gegen drei Uhr nachts fuhr ich nach Hause. In solchen Nächten entwickelt mein Fahrrad, so glaube ich langsam, ein eigenes Bewußtsein mit Beschützer-Instinkt ...

24 Oktober 2009

 

Vergangenheitsblick auf Squandered Message

Ab Mitte der 80er Jahre setzte sich in Berlin immer mehr der Hardcore-Punk durch, zumindest musikalisch. Zu einer der beliebtesten Bands gehörten damals Squandered Message, die ich Ende der 80er Jahre auch einmal in Waiblingen live zu Gesicht bekam. Es war ein rasant gespieltes Konzert, bei dem schlacksige Jungmänner in zu kurzen Hosen, Turnschuhen und zerfetzten T-Shirts sowie mit langen struppigen Haare, die von Stirnbändern gebändigt wurden, über die Bühne tobten.

Das merkt man auch an der Platte »Getting Blunt«, die im Jahr 2009 schon ziemlich unmodern klingt, die aber 1987 – als sie erschien – den aktuellen Stand im amerikanisch beeinflussten Hardcore markierte. Für mich war's damals ganz schön metallisch und trashig; die Töne splittern geradezu aus den Lautsprechern, und alles klang schnell und hektisch.

Inhaltlich distanzierte sich die Band aber immer vom Metal und setzte sich in ihren englischen Texten sowohl mit aktueller Politik (»Fourth Reich«) als auch mit der Szene (»Linus von Skateboard«) auseinander. Wie international die Hardcore-Szene schon zu jener Zeit aufgestellt war, zeigt sich übrigens daran, dass die Platte in Holland aufgenommen wurde.

»Getting Blunt« ist keine von den Platten, die man haben muss. Aber sie ist ein Zeitdokument, anders kann ich's nicht nennen, das ein Schlaglicht aufs Jahr 1987 wirft.

23 Oktober 2009

 

Comic-Vortrag zum Anschauen


Unter dem Titel »Faszination PERRY RHODAN: die Comics zur erfolgreichsten Science-Fiction-Serie der Welt« gab es auf der Frankfurter Buchmesse einen Vortrag, der am Freitag nachmittag im Comic-Zentrum stattfand. Selbstverständlich war das schon wieder eine Gelegenheit für mich, meinen schon elf Jahre alten Anzug und eine Krawatte spazierenzutragen.

Kai Hirdt von der Alligator-Farm (übrigens eine Gründung von Karl Nagel), verantwortlich für die neuen PERRY-Comics, und ich sprachen über die bisherigen Versuche, die größte SF-Serie der Welt in die Welt des Comics zu überführen. Ich gab mir redlich Mühe, gelegentlich ein wenig witzig zu sein, habe aber nicht die geringste Ahnung, ob das klappte: Der Lärmpegel, der von hinten auf mich eindrang, war so hoch, daß ich meine eigene Stimme zeitweise kaum hörte.

Insgesamt waren wohl manche Comic- und Perry Leser recht unglücklich, daß der Vortrag am Freitag war – also an einem der Fachbesuchertage, wo normales Publikum nicht so leicht in die Messe kommt. Aus diesem Grund kann nun bei splashpages.de der komplette Vortrag angeschaut werden. Insgesamt ist das eine halbe Stunde - auch mal nett.

22 Oktober 2009

 

Rollenspiel-Heft auf hohem Niveau

In edler Bescheidenheit schreibt der Herausgeber in seinem Vorwort: »Wir sind kein professioneller Verlag.« Gemeint ist der Verlag, der die famose Zeitschrift Mephisto herausgibt. Von der trudelte dieser Tage die Nummer 46 ein; offiziell müßte sie in den nächsten Tagen erscheinen.

Dabei ist jegliche falsche Bescheidenheit hier fehl am Platz: Das Magazin hat sich im Verlauf der letzten Jahre richtig gut entwickelt und gehört längst zu den erfreulichsten Erscheinungen im Bereich der Science Fiction und Fantasy. Okay, Rollenspiele stehen hier hoch im Kurs, aber es gibt dennoch ausreichend Buchbesprechungen und Autoren-Interviews (diesmal mit Heide Solveig Göttner und Alexander Lohmann), so daß auch Leute wie ich auf ihre Kosten kommen.

Das ganze wird mit einem professionellen Layout garniert, in dem es keine Peinlichkeiten zu bewundern gibt, sondern immer wieder schöne Grafiken den Text auflockern; größtenteils exklusiv fürs Magazin gemacht. Natürlich gehen Spielberichte und Rollenspiel-Szenarien vor, aber wenn die so ansprechend gemacht sind wie hier, liest man die selbst als Nicht-Spieler gern.

Und nach einem entsprechenden Artikel weiß ich jetzt besser über die legendäre Schlacht von Agincourt im Jahr 1415 Bescheid. Soll keiner sagen, daß Lesen und Spielen nicht bilden.

Alles in allem empfinde ich die 84 Seiten im A4-Format als ziemlich klasse. Das Ding kostet 5,95 Euro, man sollte es in jedem guten Spieleladen erhalten. Ansonsten eben direkt über den Verlag. Wer sich für phantastische Genres und die begleitenden Spiele interessiert, kann da getrost mal einen Blick reinwerfen.

 

Breschdleng – soll wohl witzig sein

Eigentlich war es nur eine Frage der Zeit, bis irgend jemand auf die naheliegende Idee kommen würde. Wir nehmen Hardcore und mixen das mit – jajajajaja, das ist soooooo luschdig! – schwäbischen Texten. Mit Spätzledreck gibt's ja auch schon eine Band, die schwäbischen Dialekt mit Deutschpunk mischt, das ganze aber ironisch meint.

Bei Breschdleng, was auf gut deutsch so viel wie »Erdbeere« heißt, scheint das ganze ernst gemeint zu sein. Zumindest behauptet man im Info, ernsthafte Texte zu haben. Musikalisch ist das ganze ein stumpfer Mix aus 90er-Jahre-Crossover-Grütze, Numetal und metallischem Hardcore.

Wer schon immer mal superlustigen Hardcore hören wollte, ist hier richtig. Ich fürchte, man wird mich für einen humorlosen alten Deppen halten. Aber da muß ich durch: Bei so einem Scheiß muß ich kotzen.

21 Oktober 2009

 

Süßer Marzipan in den Buchläden

»Welche Literatur in den Ladenregalen steht und beworben wird, das liegt immer seltener in der Hand der Verlage.« Mit diesem Satz beginnt ein durchaus lesenswerter Artikel der »Süddeutschen Zeitung«, dessen Lektüre ich nur empfehlen kann.

Er zeigt in eindrucksvoller Art und Weise, wie sehr eine Buchhandlungskette wie die »Thalia« immer stärkeren Einfluß auf den Buchhandel gewinnt. In Karlsruhe kann ich mich davon selbst überzeugen: Der »Buch-Kaiser«, ehemals meine Lieblingsbuchhandlung, ist so gut wie weg.

Ich kann also jetzt in die normalen Buchhandlungen gehen, wo ich auf teilweise sehr versnobt wirkende Händler stoße, die sich wundern, wenn unsereins Trivialliteratur kauft, oder ich gehe gleich zur »Thalia«. Zumindest die Auswahl an Bestsellern ist da riesig ...

Daß die Branche an ihrem Niedergang zumindest teilweis selbst schuld ist, belegt unabsichtlich der vorliegende Artikel. Wer allen Ernstes davon ausgeht, man müsste als ein »in der Literaturbranche tätiger« Namen wie Hans Henny Jahnn und Warlam Schalamow kennen (ich habe die noch nie gehört, ähm), steht zumindest auf einem sehr großen Podest.

Mein liebster Vergleich in dem Artikel ist allerdings der, wenn Paulo Coelho mit »süßestem Marzipan« verglichen wird. Schöner hätte ich es selbst nie sagen können. Manchmal sind die intellektuellen Feuilleton-Redakteure doch für einen guten Vergleich zu haben.

20 Oktober 2009

 

Mein Messe-Highlight


Sicher werde ich dazu noch einen ausführlichen Text schreiben - hier und an dieser Stelle möchte ich mich nur öffentlich über das Foto freuen: Ich in Schlips und Anzug am Stand der »tageszeitung«. So muß das sein!

Am Stand der »taz« bekam die PERRY RHODAN-Serie am Samstag auf der Buchmesse den Preis für den diesjährigen Wahrheit-Unterbring-Wettbewerb verliehen. Unter der reizenden Überschrift »Perry und Pingpong« berichtete das Blatt über den famosen Preis, den ich in Empfang nehmen konnte.

Das Bizarre dabei waren die Medienvertreter. Nicht nur ein Fotograf der »taz« war anwesend, sondern auch ein Kamerateam, das derzeit an einer Dokumentation über die PERRY RHODAN-Serie arbeitet. Alles in allem ein ungewohntes Gefühl und zugleich eine amüsante Auszeichnung, über die ich mich sehr freute.

19 Oktober 2009

 

Bestes Messe-Fanzine

Jeden Tag gab es auf der Frankfurter Buchmesse ein spezielles Fanzine. Das hieß natürlich nicht so, sondern nannte sich »Frankfurter Allgemeine - Zeitung zur Buchmesse«, wurde von der FAZ-Redaktion herausgegeben und gratis verteilt.

Wann immer ich die Chance hatte, holte ich mir eine von den Ausgaben, nahm sie nach Hause und las sie dort durch; auf der Messe selbst fehlten Zeit und Muße. Und die Lektüre lohnte sich auf jeden Fall.

Was die FAZ-Kollegen machten, war eine typische Fanzine-Mischung: Party- statt Konzertberichte, viele Fotos (nur eben von Autoren und Verlagsmenschen und nicht von Bands), einige längere Texte und Interviews, viel Tratsch und Klatsch. Das ganze wurde sehr humorvoll und mit einem fetten Augenzwinkern präsentiert - so eine Mischung aus Plastic Bomb und Entkettet also und das für eine andere Szene.

Ich genoß die Lektüre sehr, stecke die Exemplare allerdings trotzdem nicht in die Fanzine-Sammlung, sondern in den Papierkorb. Man verzeihe mir, aber es ist dann eben doch »nur« eine Zeitung. Die FAZ hat sich für mich damit aber endgültig aus der Klischee-Falle konservative Männer befreit ...

17 Oktober 2009

 

Drängel-Experten

Im Verlauf einer solchen Buchmesse entwickle ich Instinkte, die sind geradezu atavistisch. Ich werde vor allem immer besser damit, mich buchstäblich durch die Menge zu drängeln.

Rechts mal einen schlendernden Studienrat mit dem Ellbogen touchiert, links mal durch eine Gruppe kichernder Manga-Mädels gedrückt; das ist schweißtreibend und anstrengend, und ich überlege mir, das als Olympische Disziplin voranzutreiben. Auch nicht besser als Bungee-Springen oder dergleichen; der Adrenalin-Kick ist ja da.

Wobei mich manche Leute toppen, und zwar locker: Wer es schafft, einen Kinderwagen durch dieses Getümmel zu schieben (die armen Kinder), oder wer allen Ernstes einen Rollkoffer hinter sich herzieht, hat ein Herz für schweißtreibende Aktionen. Sportlich und nervig zugleich.

 

Ein Bierlein zu viel

Gibt man mir einmal die Chance, auf der Buchmesse nicht mit dem Firmenwagen, sondern per Taxi unterwegs zu sein, nutze ich das gleich aus. So auch gestern: Galaktisches Forum war, sprich, die von uns veranstaltete Party für Autoren, Übersetzer, Zeichner und Verlagsleute aus den Bereichen Science Fiction, Fantasy und ein bisschen Horror, dazu Freunde und Bekannte aus anderen Verlagsbereichen oder aus »verwandten« Firmen wie Hörspiel, Hörbuch, Akademie oder Börsenverein.

Ich startete mit einem Gimlet, was vielleicht ein Fehler war, und sattelte dann recht schnell auf Bier um. Bis ich meine Rede halten konnte, hatte ich schon einige Biere intus; danach bremste ich mich erst einmal.

Ausfällig wurde ich nicht, es gab keinen Grund dazu. Ich unterhielt mich bombig mit einer Runde von populären Schriftsteller-Kollegen (Markus Heitz, Christoph Hardebusch und Bernhard Hennen; allesamt schon auf die SPIEGEL-Bestsellerlisten abonniert), ich freute mich über die Kollegen aus anderen Verlagen, und ich hatte viel Vergnügen dabei, die vielen Gäste zu begrüßen und später auch zu verabschieden.

Spät war's wieder. Nach einem kleinen Absacker im Hotel war's dann halb drei Uhr in der Früh'. Na ja, früher hätten wir bis fünf Uhr weitermacht, aber das mit dem Partyfeiern auf der Buchmesse läßt wohl so langsam nach ...

16 Oktober 2009

 

Dritter Messetag 2009

Seit heute morgen bin ich praktisch ohne Beschwerden; Xusal blockiert erfolgreich meine Allergie. Na super, und ich dachte, ich stecke mal ausnahmsweise als Seuchenherd auf zwei Beinen die halbe Buchmesse an ...

Nachdem ich gestern abend auf der Autobahn schlechten Deutschpunk ausm Jahr 2009 hören mußte (weil ich dummerweise die falsche CD eingelegt hatte), so daß ich fast auf der Autobahn einschlief, ging ich heute morgen auf Nummer sicher: Die Terrorgruppe geht immer.

Ungelogen: Zu »Hey du kleiner Kalikumpel, wie geht's denn deiner Kalifrau?« rollte ich heute morgen aufs Messegelände. Da fühlt man sich gleich besser, und da stört es mich keinen Millimeter, wenn der Himmel grau und das Wetter beschissen ist.

15 Oktober 2009

 

Gerotze zum Zweiten

Heute mittag in der Messehalle: Ich verrotzte einen ganzen Termin. Niesanfälle, eine Packung Tempo-Taschentücher aufgebraucht. Was für ein Frust, und das alles ist so unnötig.

Bis ich die Erleuchtung erlange: Das könnte ja alles nur ein fieser Allergieschub sein. Ich fühle mich schließlich fit, und rote Augen sowie Nies-Attacken könnten schlicht auch von der schlechten Luft kommen - unter anderem bin ich gegen Hausstaub und Schimmel allergisch.

Tatsächlich habe ich ein Xusal dabei und schlucke es. Besserung bisher: Fehlanzeige. Aber ich gebe die Hoffnung noch nicht auf ...

 

Wider die Piraterie

Ein wenig hilflos muten die Versuche an, auf der Buchmesse gegen die Internet-Piraterie zu argumentieren. Auf dem Freigelände stehen Displays im Design der 70er Jahre, über die in großer Flimmerschrift Aussagen von Schriftstellern wie Amelie Fried laufen.

Die Aussagen haben alle einen Tenor: Wer unsere Bücher digital klaut, trägt dazu bei, daß wir pleite gehen. Diese Aussagen sind berechtigt, kein Zweifel, und der Kampf gegen die Internet-Piraterie ist nachvollziehbar.

Ich fürchte aber, daß diejenigen, die Bücher »tauschen«, sprich zum Diebstahl anbieten und klauen, entweder nicht zur Buchmesse kommen und deshalb die Kampagne nicht mitkriegen oder sie gleich antiquiert, altbacken und lächerlich finden. Aber das ganze ist wahrscheinlich eh eine Kunst-Kampagne und von daher anders zu beurteilen.

Die Leute auf der Buchmesse wollen offensichtlich noch Bücher in die Hand nehmen. Man redet über e-Books, es gibt haufenweise Vorträge und Konferenzen dazu, und bei uns ist es auch ein Thema - aber was die Leute vor Ort angucken und anfassen, sind nach wie vor »echte« Bücher.

14 Oktober 2009

 

Pendeln nach Karlsruhe

Nach einem Tag auf der Frankfurter Buchmesse brummt der Kopf buchstäblich vor lauter Stimmen; man sehnt sich nach frischer Luft. Ich gehe mit dem Auto auf die Autobahn, quäle mich durch den Verkehr rings um Frankfurt und komme erfolgreich auf die A5.

Welcher Horst auf die Idee kam, die A5 ausgerechnet zum Messestart zu einer Baustelle von gut zwanzig Kilometern auszubauen, würde mich mal interessieren. Aber wahrscheinlich ging's nicht anders, weil in Frankfurt ja dauernd Messe ist. Und wer sich durch den stockenden Verkehr quält, hat immerhin einen andauernd schönen Blick auf die dolle Skyline.

Immerhin läßt sich die Rückfahrt gut überstehen, wenn man laute Musik hört. Nur ernüchtert das manchmal: Youth Tribe fand ich 1996 live in Neuss saugut - im Oktober 2009 schlafe ich bei ihrer CD fast ein. Und wer zum Teufel hat mir die Sublime-CD gebrannt und geschenkt und meinte, das müsse mir doch gefallen? Grausige Kiffer-Kacke.

Dann doch lieber die Spermbirds: Alte Männer sind immer wieder überzeugend.

 

Nebelfahrt

Mittwoch morgen in Nordbaden: Um dem üblichen Baustellen-Stau auf der Autobahn zwischen Karlsruhe und Bruchsal zu entgehen, nehme ich die Landstraße, zuerst B 36, dann B 35, klapot eigentlich immer.

Es klappte auch ganz gut; zwar war viel Verkehr unterwegs, weil ich selbstverständlich nicht der einzige mit dieser famosen Idee war, aber ich kam gut voran. Zwischen Graben-Neudorf und Bruchsal dann der Effekt: Nebel hüllte die Landschaft ein, es herrschten drei Grad plus, und die Sonne stach durch die Wolken.

Ich fuhr auf einer Art Straßendamm, rechts und links von mir ein unendlich erscheinendes Nebelmeer, am Hintergrund jeweils der Wald, der alles einsäumte; darüber der Himmel und eine Sonnee, die gelb flimmerte. Im Auto bolzte Lee Hollis mit Steakknife gerade »Parallel Universe of the Dead« aus den Boxen, und irgendwie schien alles zu passen.

Perfekter Start in die Buchmesse!

13 Oktober 2009

 

Echt harte Rock-Musik

In der »Heiligen Sophie«, einem Lokal in der westlichen Innenstadt von Karlsruhe, läßt es sich im Keller bei Kerzenschein und dezenter Musik sehr schön sitzen. Das Essen ist neuerdings klasse, die Weinkarte war schon immer gut, und die Atmosphäre hält die Balance zwischen gediegen und trotzdem modern.

Das dachte wohl auch das Paar am Nachbartisch. Beide um die dreißig, er mit weißem Hemd und dunkler Krawatte, sie im dunklen Kostümchen. Sie unterhielten sich in einer Lautstärke, die dazu führte, daß ich am Nebentisch genug mitbekam.

Was sie denn für Musik höre, fragte er. Es klang, als hätten sie ihr erstes Rendezvous. Na immerhin: Sie waren bereits beim »Du«.

»Rock-Musik«, gab sie zur Auskunft.

Da war er glatt verwundert. »So was wie Rammstein?«, fragte er.

»Nein, nicht so hartes Zeugs«, gab sie zurück. Es gäbe bei der Rock-Musik ja viel mehr, es gäbe ja sogar »Pop-Rock«, und sie stünde eher auf die ruhigeren Klänge.

Welche Bands sie denn meinte, fragte er investigativ weiter.

Ihr fielen keine ein. Nach beharrlichem Nachfragen kam sie auf Kings Of Leon, und als er Bon Jovi vorschlug, kannte sie die auch.

Das war der Zeitpunkt, wo ich mich geistig aus dem Lauschen des Gesprächs ausklinkte und mich lieber um meinen Tisch, meinen Wein und meine Tapas kümmerte. War wohl auch besser so.

12 Oktober 2009

 

Im Unterbring-Wettbewerb

Ich weiß nicht, wann ich zum ersten Mal die »taz« gelesen habe - das schrieb ich unlängst schon mal in diesem Blog. Wenn ich sie heute lese, gucke ich mir die Titelseite an, drehe dann die Zeitung um und lese die letzte Seite zuerst.

Das ist die »Wahrheit«, eine satirische Seite, die mit dem täglichen »tom« einen großartigen Tages-Cartoon hat und bei der es zwischen gelungenem Irrsinn und blödsinnigem Wahnsinn alle möglichen Abstufungen gibt. Oft finde ich es albern, oft muß ich aber auch lachen; hängt wohl von meiner Tagesform ebenso ab wie von der Form der Satiriker.

Seit einiger Zeit veranstaltet die »Wahrheit« den sogenannten Unterbring-Wettbewerb. Da geht's letztlich darum, einen Nonsens-Satz in einer Zeitung oder Zeitschrift unterzubringen. In früheren Jahren gewannen durchaus relevante Blätter wie die »Frankfurter Allgemeine Zeitung« oder das Berliner Stadtmagazin »Zitty«. Dieses Jahr lautete der Satz: »Was für Konfuzius Konfetti, sind für Chinesen die Spaghetti.«

Da ich auch mal so einen Preis kassieren wollte, bequatschte ich den armen Hubert Haensel, den Satz sinnvoll in seinem aktuellen Roman unterzubringen. Und deshalb erschien vor zwei Wochen der Roman »Schatten im Paradies« (PERRY RHODAN-Band 2511) mit genau diesem Satz.

Dafür erhalten wir jetzt den sogenannten Jieper-Preis, sprich, es gibt eine Flasche mit Allohool für die PERRY RHODAN-Redaktion. Die hole ich mir dann am Samstag nachmittag ab - auf der Buchmesse. Das wird sicher mein wichtigster Messetermin, na ja, vielleicht der lustigste.

11 Oktober 2009

 

Red Dust und Comanche


Wenn's ein Genre gibt, das hoffnungslos veraltet anmutet, dann ist es wohl der Western. Buchstäblich seit Jahrzehnten fristet dieses zeitweise sehr erfolgreiche Unterhaltungssegment ein Schattendasein. Zwar gibt es noch Romane, Filme und Comics, aber sie bewegen nicht mehr die Massen.

Dabei halte ich den Western für eine ziemlich coole Sache. Das ist meist abenteuerlich und spannend, er zeigt grandiose Natur und starke Emotionen - alles Dinge, die man in guter Science Fiction und Fantasy auch findet. Kein Wunder, daß man anno dunnemals aus der »Horse Opera« des Westerns irgendwann mal die »Soap Opera« der Science Fiction ableitete.

Zu meinen absoluten Western-Favoriten bei den Comics gehörte schon in den 70er Jahren die Serie »Comanche«: spannend geschrieben von Greg, faszinierend gezeichnet von Hermann - die Abenteuer des Cowboys Red Dust hatten stets auch eine literarische Qualität, die höchstens von »Blueberry« übertroffen wurde.

Nur schade, daß die Serie hierzulande nie ordentlich erschienen ist. Bei Ehapa gab's sogar echte Zensur, weil man den jugendlichen Lesern - so dachte man wohl - eben nicht einen Helden zumuten wollte, der in Selbstjustiz einen Unbewaffneten tötet, oder eben auch nicht zeigen wollte, wie ein gehenkter Mann aussieht.

Umso besser, daß mein Lieblings-Comicverlag, nämlich Splitter, jetzt auch wieder »Comanche« rausbringt. Natürlich in der Qualität, für die Splitter durch Science Fiction und Fantasy bekannt geworden ist: saugute Druckqualität, hervorragend gestaltete Hardcover, redaktionelle Ergänzungen und sogar beigelegte Kunstdrucke.

Raus ist jetzt »Red Dust« (Leseprobe gibt's im Netz), folgen werden neun weitere Alben. Ich freue mich schon jetzt; ein Platz im Regal ist freigeräumt!

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